Beiträge von Claude Brasseur

    Die König Johannes V Allee beginnt an der Place de la Victoire gegenüber der Herzog Balthasar Kaserne und führt entlag des Schlossparks vorbei an der Königlichen Ménagerie bis zum Schlossplatz. 1609 gestaltete Pierre Auguste du Fin de la Vallée occidentale die Straße neu und liess Linden aus Südaalen pflanzen und den Springbrunnen Infantin Louises anlegen. Der Springbrunnen ist heute von der Vertretung Transmartiniens umschlossen. 1954 wurde das alte Kopfsteinpflaster durch Asphalt ersetzt. Die bei Flaneuren wie Pendlern beliebte Avenue bildet gemeinsam mit der Kürassierallee die historische Achse Château Cutois - Alte Burg. Offiziell als Bestandteil der Schlossanlage geltend befindet sie sich als Privatstraße im Besitz des Königlichen Haushaltes; zur Ausstellung von Verkehrsbussen sind demnach nur Beamte des Hofes und Gardisten berechtigt. Der Hofmarschall des Königs ist für die Verkehrsordnung zuständig, weshalb bis heute mangels anderweitiger Vorschriften das Befahren theoretisch ohne Führerschein und in unbegrenztem Tempo gestattet ist. Da es aber ebensowenig erlaubt ist, ein Automobil über die Allee zu steuern, ohne daß jemand mit einer Laterne in der Hand dem Fahrzeug vorangeht, kann die fehlende Geschwindigkeitsbegrenzung nicht wirklich ausgekostet werden. In der Praxis wird von Bussen aufgrund fehlender Laternenträger jedoch abgesehen.

    Der repräsentative Langsaal wurde von Hofarchitekt Bértrand-Nicolas de Monreux-Castelneuve zwischen der Alten Wachloge und späteren Violinenkabinett Königin Julies und dem Aufgang der Barone errichtet. Die Wände ist mit serger Kacheln ausgekleidet, die unüblich für die Epoche contraharmonisch mit den steinernen Bodenplatten oszillieren. Ursprünglich für Feste und große Bankette gedacht, verfügt er über einen offenen neomelber Kamin mit ausladenden vidoner Konsolen. Früh schon wurde der Saal dem Lieutenant-Colonel der 2° Mousquetaires à pieds de la garde als Wohnung und Dienstzimmer zur Verfügung gestellt und entwickelte sich zum Centrum der Schlosswache, das er geblieben ist, bis die Herzog Balthasar Kaserne errichtet wurde. Die Malereien am hölzernen Deckengewölbe befinden sich seit dem 19. Jahrhundert in einem sehr schlechten und restaurationsbedürftigen Zustand.

    Das Jagdkabinett gilt als einer der kostbarsten Räume des Ostflügels. Borner Nussholzintarsien gliedern vierzehn Wandgemälde mit Jagdszenen der livornischen Könige. Der Boden ist mit Kacheln aus einer südmeltanischen Villa ausgelegt, die im Melber Erbfolgekrieg erbeutet wurden.

    Das Palais wurde ürsprünglich 1779 für Gräfin Johanna von Aalen als altburger Stadtresidenz erbaut. Es wurde von den Architekten Colais und Péry im Stile des Calois-Rokoko gestaltet. 1812 erwarb Prinz Nikolaj Zaretzky das Anwesen, nach dem es seither benannt ist. Seit 1929 ist das Zaretzky im Privatbesitz wechselnder Familien.

    Johannes VII Galerie
    ÄUSSERE GALERIE



    Die Äußere Galerie wurde 1898 für die Verlobungsfeier von Infantin Maxima erbaut und nach König Johannes VII benannt. Gemeinsam mit der Inneren Galerie, dem Grand Pavillon und der Pont Jean VII bildet die Johannes VII Galerie eines der bedeutendsten Architekturensembles der Belle Époque. Die Galerie bietet verschiedenen Kaufhäusern, Bureaus, Ausstellungen, Veranstaltungen und Zeremonien Platz. Für die Fassade des Palais wurde wertvoller sabtebäischer Marmor im Stile des klassizistischen Barocks verbaut. Ionische Säulen und Figuren gliedern das größte Gebäude des Prinzenquai. Das Große Hauptportal ist Seiner Majestät vorbehalten, während an den vier abgeschrägten Enden der Flügelbauten ausladende Freitreppen mit Bronzequadrigen als Dachbekrönung zu den Eingängen führen. Die innere Halle mit kreuzförmigem Grundriss ist ein Architekturdenkmal aus Eisen und Glas. Der Saal war zwei mal 1921 und 1980 Gastgeber eines Königlichen Banketts. 1957 fand in der Äußeren Galerie die Premiere von La Traviata statt.

    Durch den Bau der vorderen Ringmauer entstand in der alten Vorburg ein Zwinger, der seit 1632 regelmässig als Ehrenhof für Zeremonien und Empfänge hoher Gäste benutzt wird. Am 30. November 2005 fand hier die Jahresfeier des Ordens vom Andreasgrab statt.

    Das Vorzimmer des Königs ist mit kostbaren Gobelins aus dem 15. Jahrhundert geschmückt, die zur Nordseite siegreiche Schlachten aus der antiken Mythologie und den Feldzügen der livornischen Könige zeigen und auf der Südseite Gerichtszenen aus dem Alten Testament und der Alten Burg abbilden, die als Kontrast zur kriegerischen Gegenseite die Güte und Mildtätigkeit der Herrscher darstellen. Als im Thronsaal noch zahlreiche Audienzen stattfanden, diente dieser Raum über Jahrhunderte als Wartezimmer für Höflinge, Gesandte und Bittsteller. Abgewetzte steinerne Sitzbänke zeugen noch heute von den bisweilen langen Wartezeiten.

    Vor der Chinopischen Galerie liegt ein nahezu quadratischer Raum, der ursprünglich als Durchgangszimmer geplant war, zwischen 1862 und 1870 als Vorzimmer der Gemächer der Prinzen von Melba diente und 1870 im Zuge der Errichtung der Chinopischen Galerie nebenan von Auguste Salomon neu ausgestaltet und mit den namensgebenden pastellgrünen Tapeten ausgekleidet wurde. Dunkelgrün bemalte Nussholzintarsien und bernsteingefasste Voucuse-Spiegel verleihen dem Salon seine einzigartige Atmosphäre.

    Die Chinopische Galerie war ein Geschenk von Infant André an König Philipp IV im Jahre 1870. Zahlreiche der kostbaren Vasen und Schalen, die zum originalen Interieur gehörten, wurden 1922 nach Schloss Marnberg verbracht. Die Galerie verbindet als größter Raum des Ostflügels das Jagdkabinett mit dem Grünen Salon.

    Das Rathaus von Calois wurde 1555 von Jean le Cuffier erbaut und nach dem Brand von 1699 grundlegend beugestaltet. Der Ehrenhof und der Westturm wurden 1899 erbaut.

    Der Salon Marquis du Haltbergue ist neben den Plenarsäälen der beiden Häuser und dem Graf Hector Saal der viertgrößte Raum in Schloss Philippsburg. Eine hohe Fensterfront zeigt auf den östlichen Innenhof und lässt viel Tageslicht hinein. Die Wände sind mit Gobelins ausgestattet, die Szenen der Schlachten von Azycor und Etelles zeigen, in denen die Markgrafen von Haltberg niederlivornische Briganten bekämpften. Im Saal befindet sich ein Globus von 1612 aus borner Kastanie.

    Die Alte Brücke ist die jüngste der neun Brücken Altburgs des 16. Jahrhunderts. Seit dem Abriss der Pont du Prince im Jahre 1799 ist sie die zweitälteste Brücke, beziehungsweise die Älteste, wenn die Pont du Cerf nicht mitgerechnet wird, da sie außerhalb der Stadtgrenzen von 1697 liegt. Die Pont Vieux ruht auf drei Pfeilern, die mit Giebelreliefs des Seeschlachten von Mérin, Castello Bianco, Valent und Reccio ausgestattet sind. Der westliche Brückenkopf wurde 1879 von César Bonn neu gestaltet und mit orischem Marmor verkleidet. Seit 1967 steht die Brücke unter Königlichem Denkmalschutz und seit 1989 ist sie für den motorisierten Verkehr gesperrt. Berühmtheit erlangte die Brücke durch ihre Erwähnung in Jules Dépardieux' Roman 'Das Augenzwinkern des Kamels' von 1977.